Tantra. Traditionelle Weisheit begegnet heutiger Sexualität


Vorab: Tantra verstehe ich nicht primär als eine sexuelle Technik, sondern als eine spirituelle Disziplin zur Transformation, Zirkulation und Kultivierung der Lebens-Energien. Das zentrale Ziel ist es, den natürlichen Verlust dieser Energien zu stoppen, sie stattdessen im Körper zu speichern, zu verfeinern und durch das eigene Energiesystem und zu leiten – und damit zu spielen, gerne auch mit dem Partner.


Von Tantra zu Tantra. Traditionelle Weisheit begegnet heutiger Sexualität
von Thomas Lempert

… spricht Tantra-Einsteiger genauso an wie erfahrene Praktiker, es richtet sich aber ebenso an Menschen, die sich erst einmal für tibetischen Buddhismus interessieren und die Rolle von Tantra darin.
Thomas Lempert hat katholische Theologie und Psychologie studiert, seine geistige Heimat aber schon früh im tibetischen Buddhismus gefunden. Zwischen diesen Polen entsteht ein anspruchsvolles und immer interessantes Spannungsfeld zwischen intellektueller, aristotelisch geschulter Begriffsanalyse mit einer weit geöffneten Tür zum buddhistisch inspirierten Feminismus, psychologischen und spirituellen Konzepten im tibetischen Buddhismus mit seiner Vielfalt an Traditionen, Gurus, Lehrmeinungen und einer Unzahl an Göttern (die am Ende nur Hilfsvorstellungen sind). Das verlangt dem Leser einiges ab, ihm wird ein permanentes Umschalten zwischen westlichen und östlichen Denkwelten und Weltvorstellungen abgefordert und sein Lektürevorschlag, „lies, was du verstehst, überspringe, wo du aussteigst“ und sein Humor (nimm nicht alles so wichtig, v.a. nicht dich selbst), macht das Buch auch für die Praktiker lesbar, die vor allem von seinen jahrelangen Erfahrungen mit tantrischen Übungen und dem ausführlichen Praxisteil profitieren wollen. Das werden sie – Tantra ist auch Theorie, vor allem aber eine Praxis und am Ende ein spiritueller Weg. Der neugierige Einsteiger findet also eine umfassende Einführung in das Thema aus tibetisch buddhistischer Sicht, aber auch tantrische Praktiker aus anderen Richtungen werden dazu lernen können.
Tantra hat nach den ersten Erwähnungen im indischen Subkontinent über China den Weg nach Japan und Tibet genommen und wurde in die recht unterschiedlichen philosophisch-religiösen Traditionen erstaunlich schnell und nahtlos aufgenommen. Im Osten hatte man kulturübergreifend erkannt, dass die Liebeskunst eine Königsdisziplin ist, die alle Sinne zusammenführt und die Sexualkraft die Aktivierung der Kundalini einleitet. Im Tantra können wir am ehesten das Labyrinth des begrifflichen Denkens durchbrechen, um jenseits der Sprache die Allverbundenheit zu erfahren.
Die abrahamitischen Buchreligionen in Europa und im Nahen Osten haben es dagegen geschafft, dieses sicher sehr alte Kulturgut jahrhundertelang gekonnt zu ignorieren. Das hat den ganzen jüdischen, christlichen und muslimischen Kulturraum tiefgreifend geprägt, in dem Schuld und Scham als Steuerungs- und Machtmittel eingesetzt werden konnten (und können), von einer natürlichen Polarität zwischen Frau und Mann ganz zu schweigen… Erst mit dem Neo Tantra ist diese Technik zur Kultivierung der Sexualenergie dann in den Westen gelangt – zumindest offiziell.
Dennoch gibt es zwischen hinduistischem oder taoistischem Tantra und tibetisch-buddhistischem Unterschiede, die im Buch ebenfalls kurz angerissen werden, damit den Überblick aber auch abrunden.

Lempert, Thomas: Von Tantra zu Tantra. Traditionelle Weisheit begegnet heutiger Sexualität
Köln (Windpferd) 2025
327 Seiten
ISBN 978-3-86410-404-6
22,00 €

mehr zu Tantra

Ayn Rand – „Der freie Mensch“

Wiederveröffentlichung aus aktuellem Anlass

„Wenn dein starker Arm es will, stehen alle Räder still“ hat bei Ayn Rand eine gänzlich andere Bedeutung als wir sie in Europa sofort assoziieren. Was würde geschehen, wenn die Leistungsträger einer Gesellschaft, im Buch sind es v.a. die Industriellen über den Erfinder bis zum echten Philosophen, einfach hinwerfen und in den Streik gehen und damit die steuerfinanzierten Plünderer aller politischen Farbvarianten sich selbst überlassen? Und weitergedacht: Was geschähe, wenn der Eisenbahner, der Bauer und der Vorarbeiter im Stahlwerk plötzlich einfach weg wären und die Politiker samt Staatsapparat, die Journalismus-Simulatoren und die Tausenden Berater, Anwälte und Sich-auch-irgendwie-wichtig-Meinenden plötzlich allein wären? Diese Idee spielt Ayn Rand in ihrem 1957 erschienen Klassiker radikal mit so zwingender innerer Logik bis in die Details durch, dass am Ende nur ein gesellschaftlicher Trümmerhaufen übrig bleibt – und ein gut vorbereiteter Neuanfang.

Wenn sie jetzt ein leises Lächeln auf den Lippen haben, sollten sie das Buch lesen. Es ist spannend geschrieben, sie werden nicht lange brauchen, um mit den Akteuren des Romans mitzudenken und zu fühlen. Ihr Lächeln wird sicher irgendwann schmaler werden, wenn ihnen bewusst wird, wie aktuell dieses Buch ist.

Wenn sie dagegen entrüstet den Kopf schütteln oder auch nur der Gedanke an Gemeinwohl, Menschlichkeit oder Altruismus durch ihren Kopf geistert, sparen sie sich das Geld. Sie werden nicht weit kommen oder einen mentalen Kollaps erleiden.

Bücher sind ein Resonanzboden für unseren Geist – aus manchen Büchern wachsen wir heraus, für andere sind wir noch nicht reif, andere treffen wir zum genau richtigen Zeitpunkt. Dieser Roman hat ein philosophisches Format, das ist heute selten worden. Komfortabel dosiert in einer ruhigen Stunde bei Rotwein und Kerzenschein Philosophie konsumieren, das ist nicht ihre Sache. Ayn Rand hat diese Geschichte vor über sechzig mit fast schon hellseherischen Fähigkeiten geschrieben und wird neben George Orwell und Aldous Huxley ihren Platz finden. Dieses Buch zu lesen ist eine geistige De-Programmierung – erst schmerzhaft, dann umso befreiender.

Zwei grundlegende Prämissen hat sie, die den Menschen verorten: Es gibt eine objektive Realität in einer kausalen Welt, mit der wir leben müssen – oder wir sterben. Die Gesetze des Lebens können ignoriert werden, sie werden aber uns nicht ignorieren. Alles postmoderne Gerede und Wortverdreherei, alle Propaganda und alle theoretischen Konzepte zur Verbesserung der Welt scheitern am Ende an der Wirklichkeit. Das kann allerdings dauern und wir müssen entscheiden, was wir in dieser Zeit tun und lassen.

Den „Sündenfall“ sieht sie als ein Geschenk. Durch die Erkenntnis von Gut und Böse hat der Mensch eine Moral entwickelt, um sein Brot durch Arbeit zu verdienen, musste er produktiv werden und durch die Lust beim Sex fand er Freude und zu seiner Schöpferkraft. Das sind die Kardinalwerte seiner Existenz, durch sie wurde er erst zum Menschen. Körper und Bewusstsein sind bei ihr keine Gegensätze, sie gehören zusammen. „Ein Körper ohne Seele ist ein Leichnam, eine Seele ohne Körper ein Gespenst.“

Ayn Rand ist nicht atheistisch im herkömmlichen Sinn, sie braucht keinen Gott. Wenn der Mensch in seine Schöpferkraft kommt, findet er selbst in seine Göttlichkeit. Da sind christliche Konzepte von Schuld und Opfer nur Mittel zur Herrschaft und ein fernöstliches Konzept von Wiedergeburt hindert uns das zu tun, was jetzt getan werden kann oder muss.

Du musst denken, du musst vor allem selbst denken und dich nicht darauf verlassen, was andere sagen. Es ist dein Leben. Es ist deine Freiheit. Du hast die Verantwortung für dein Leben. Das gesamte Buch ist ein Aufruf zum Leben, zur Schaffenskraft und zur Lebensfreude, ja Lebenslust. Dafür müssen wir erst einmal wieder in der Realität, im Hier und Jetzt ankommen und geistigen Ballast abwerfen.

So definiert sie sozial auch ganz weltlich um: was mir nutzt, nutzt auch den anderen, denn sonst würden sie es nicht in einem freien Marktverhältnis bei mir kaufen. Daraus können wir ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln und unsere Ängste loslassen. Zu oft gehen wir noch aus Bequemlichkeit in die Falle des Selbstverrats und lassen es zu, dass die Hoffnung gegen uns verwendet wird, statt einfach nicht mehr mitzumachen. „Es ist eigenartig, wie einfach die Dinge werden, wenn man sie klar sieht.“

Ayn Rands gesamter Entwurf orientiert sich an den Starken, die das Beste aus sich herausholen, an einem Adel durch herausragende Leistung und nicht an den Schwachen, Kranken und Bedürftigen. Das ist eine grundsätzliche Richtungsentscheidung, die sich bewusst zu machen lohnt. Sie feiert das Leben, die anderen den Schmerz und das Leid, am Ende den Tod. In der Thermodynamik nennt man den Zustand, wenn alles irgendwann gleich ist, den Wärmetod des Universums.

Ohne Frage gibt es Argumente gegen ihre Ansichten, aber jeder sollte sich fragen, welche davon auf seiner inneren Ablehnung und seinen erlernten Vorurteilen mit ausgefeilten Konzepten und einer gut gepflegten Begrifflichkeit beruhen. Bei der Durchsicht der ersten Seiten der Google-Suchergebnisse habe ich mich gefragt, ob wir die gleiche Autorin gelesen haben.

Leicht gekürzte Version einer Buchrezension für das NEXUS-Magazin 98/ 2021

Führungskräfte ohne innere Führung werden von KI ersetzt, nicht ergänzt.

KI spaltet die Geister: am einen Ende der Skala Begeisterung und Zukunftsoptimismus, am anderen Ende völlige Ablehnung und Angst vor einer KI-gestützten, technokratischen Diktatur. Beide Positionen kann ich weitgehend nachvollziehen, dennoch frage ich immer pragmatisch wer das eigentlich alles tun soll: die KI programmieren, die Daten für die KI „einhegen“, sie an die Bedürfnisse von wem (aus welchen Gründen) wie anpassen, sie überwachen – und den Überwacher überwachen.

Die Auswirkungen auf die geistige, emotionale, auch körperliche und vielleicht spirituelle Entwicklung – oder Degeneration – werden jetzt bereits in ersten Studien sichtbar. Es sieht nicht gut aus…

Wie die vielen „freigestellten“ Menschen leben sollen und wovon, erschließt sich mir noch nicht – und es werden viele Menschen sein, sehr viele, deren Arbeit von KIs übernommen wird. In Kombination mit Robotern wird es selbst in den Berufen mit viel „Handarbeit“ deutlich weniger Arbeitsplätze geben.

Und wie sieht es mit den Führungskräften aus, dem Management?

Was liegt näher, als eine KI selbst zu befragen. Vor kurzem hatte ich die Möglichkeit, die Marketing-KI von Herrmann Scherer testen zu dürfen und war beeindruckt:


Mission Statement: Ich helfe Führungskräften, deren Arbeitsplätze durch KI bedroht sind, ihre innere Führung und Intuition zu entdecken, um KI nicht nur zu beaufsichtigen, sondern auch zu kontrollieren und Entscheidungen zu korrigieren. So gewinnen sie Freiheit, treffen bessere Entscheidungen und übernehmen volle Selbstverantwortung.

Slogan-Vorschläge: „Intuition: Dein Vorteil gegenüber KI.“ oder auch „Freiheit durch Entscheidungen im Einklang mit Dir selbst.“

Thesen sollen provozieren, zum Nachdenken anregen und gleichzeitig die Einzigartigkeit meines Ansatzes unterstreichen:

  1. „KI kann Daten analysieren, aber keine Intuition entwickeln – das bleibt Deine Superkraft.“
  2. „Wer nur auf KI vertraut, verliert die Fähigkeit, selbst zu führen.“
  3. „Führungskräfte ohne innere Führung werden von KI ersetzt, nicht ergänzt.“
  4. „Ohne innere Führung wird KI zur unkontrollierten Macht.“
  5. „Nur wer sich selbst führt, kann auch KI führen.“

Natürlich habe ich schon aussortiert und nachgebessert, dennoch ist das Ergebnis bemerkenswert. Mein Webinar Im Einklang mit dem Leben dazu findest Du hier.

Nur mit innerer Führung kannst Du Dich, andere oder eine KI führen.

Kein weiter-so

In einem Punkt waren sich alle antiken Denker einig: Muße ist die Grundvoraussetzung um zu philosophieren.

Im Lateinischen ist Muße OTIUM – Ruhe, Freizeit. NEG-OTIUM, das Gegenteil der Muße, ist die (Berufs-)Tätigkeit, Arbeit, Beschäftigung, die Mühe und Unannehmlichkeit – kurz: das Müssen.

Die meisten Menschen sind heute permanent beschäftigt, sie kommunizieren, funktionieren, arbeiten Termine und to-do-Listen ab. Ein Leben im Laufschritt…

… in einer Welt, die gerade in Echtzeit vor unseren Augen zerfällt. Nicht nur über Jahrzehnte etablierte Karrierewege, gewohnte Lebensweisen und ganze Lebensentwürfe führen plötzlich in eine Sackgasse.

Völlig neue Faktoren wie Kryptowährungen, aktuell KI und demnächst Quantencomputer mischen die Karten im Spiel neu und werden unser Leben grundlegend ändern. Parallel dazu wird das gewohnte System zunehmend instabiler: Das globalisierte Wirtschaftssystem ordnet sich neu, das Finanzsystem liegt todkrank auf der Intensivstation, neuartige Waffensysteme können den Geist angreifen oder manipulieren und unser Heimatplanet reagiert auf die immer stärkeren kosmischen Einflüsse.

Es sind zu viele Faktoren und Variablen geworden, die eine Verlängerung des bisher-Gewesenen in die Zukunft sinnlos machen. Dennoch wird weiter mit Theorien, Modellen und Weltanschauungen gearbeitet, die jetzt schon nicht mehr funktionieren, während der öffentliche Raum von Turbo-Gerede aus der Phrasen-Dresch-Maschine und bombastischerer und immer künstlicherer Ablenkung erfüllt ist – eine Parallelwelt, die mit der Wirklichkeit auf Kollisionskurs ist.

Statt geschäftig nach einem (neuen) Platz in einer nicht-mehr-funktionierenden und meist auch nicht zukunftsfähigen Welt zu suchen, ist es jetzt Zeit erst einmal inne-zu-halten und in die Stille zu kommen.

  • Durchatmen, tief durchatmen in der Natur
  • Erden, mit nackten Füssen die Erde wieder spüren
  • Loslassen und entspannen, die eigenen Energien spüren und wieder ihre natürliche Bahn finden lassen
  • Ankommen – im Hier und Jetzt, in der Natur, bei sich selbst
  • wieder in Kontakt mit sich selbst, seiner eigenen inneren Stimme kommen und zuhören
  • Technik abstellen, wenigstens für ein paar Stunden, einen ganzen Tag oder besser noch länger, für mehrere Tage
  • die eigenen Verhaltensmuster ansehen – die Aktions- als auch die Reaktionsmuster
  • Denkmuster und Vorstellungsmodelle einem Wirklichkeitstest unterziehen

Für eine Standortbestimmung muss man erst einmal stehen bleiben, inne halten und zur Ruhe kommen. Dann erst kann man sich umsehen und frei und klar aus einer höheren Perspektive selbst verorten. Wo lebe ich, wo werde ich gelebt? Was ist mir wichtig, wofür will ich meine Energie einsetzen?

 Lass uns miteinander sprechen und Klarheit gewinnen.